Herbert Giersch Stiftung

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(Herbert Giersch)

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Herbert Giersch - Leben

Herbert GierschHerbert Giersch wurde am 11. Mai 1921 in Reichenbach in Schlesien geboren. Nach Schule und Kriegsdienst studierte er Volkswirtschaftslehre in Breslau, Kiel und Münster (dort u. a. bei Walther G. Hoffmann). Er wurde 1948 promoviert und 1950 habilitiert. Bis 1951 sowie von 1953 bis 1954 arbeitete er bei der OEEC (heute: OECD) in Paris, wo eine frühe Freundschaft zu Robert Solow entstand, die bis zu seinem Tod bestehen blieb. Nach einer Privatdozentur in Münster und einer Lehrstuhlvertretung in Braunschweig wurde Giersch Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, wo er von 1955 bis 1969 lehrte und wirkte. Von 1969 bis 1989 war Giersch Professor für Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und gleichzeitig Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Im Jahr 1962 sowie wiederum 1977/78 war Giersch Gastprofessor an der Yale University in New Haven.

Giersch erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei Ehrendoktorwürden und den Ludwig-Erhard-Preis sowie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Er ist Ehrenmitglied der American Economic Association und seit 1991 Mitglied des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste.

Die Arbeit, das Wirken und der Einfluss von Herbert Giersch waren außergewöhnlich breit und tief. Mit Mut zur Vereinfachung lassen sich drei große Schwerpunkte seines Werks hervorheben:

  • In seiner frühen Arbeit beschäftigte er sich mit Fragen der Außenwirtschaftstheorie sowie der Regionalökonomik und der Wirtschaftsintegration. Dies kommt in einer Reihe von Veröffentlichungen der fünfziger Jahre zum Ausdruck. Sie legten einen festen Grundstein für seine späteren Ideen, die er als Präsident des Instituts für Weltwirtschaft ab Mitte der siebziger Jahre entwickelte.
  • In den sechziger Jahren standen Fragen der wirtschaftswissenschaftlichen Beratung im Vordergrund, allen voran Themen der Konjunktur- und Wachstumspolitik sowie der Inflationsbekämpfung und der außenwirtschaftlichen Stabilität. Als Gründungsmitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde Giersch zum prominenten Verfechter einer wissenschaftsbasierten Politikberatung. Eine DM-Aufwertung und schließlich der Übergang zu flexiblen Wechselkursen waren in seiner Zeit prägende Themen des Rates. Auch Fragen der stabilitätskonformen Lohn- und Fiskalpolitik rückten in den Vordergrund.
  • Seit Mitte der siebziger Jahre beschäftigte sich Giersch mit Fragen der weltwirtschaftlichen Entwicklung. In einer Reihe von Arbeiten interpretierte er das globale Wachstum als einen Prozess der Wissensmehrung und der „schöpferischen Zerstörung“ (Schumpeter), der im Zuge von Aufholprozessen von Entwicklungsländern schließlich auch den ärmeren Teilen der Welt zugute kommt. Giersch wurde damit zum Vordenker der heutigen Globalisierung. Er legte damit auch die Grundlage für spätere theoretische Entwicklungen, allen voran in den „New growth economics“ (Paul Romer et al) und der „New economic geography“ (Paul Krugman et al).

Neben den Schwerpunkten seiner Arbeit in Lehre, Forschung und Forschungsmanagement beschäftigte sich Giersch zeit seines Lebens mit Fragen des Zusammenhangs zwischen Gemeinwohl, Ethik und Marktwirtschaft. Er sah die Volkswirtschaftslehre als ein Fachgebiet, das der Gesellschaft Antworten geben muss auf dringende wirtschaftliche, soziale und politische Fragen – und zwar im Rahmen einer freiheitlichen marktwirtschaftlichen Ordnung. Eine Beschränkung auf abstrakte Theorie war für ihn undenkbar.

Im Laufe seines langen akademischen Wirkens hat Giersch viele Schüler hervorgebracht. Sie sind (oder waren) als Volkswirte in Universitäten, in Forschungsinstituten, im Sachverständigenrat, in Banken, in Verwaltungen und in der Politik tätig. Unter ihnen – und wiederum unter ihren Schülern – ist ein starkes Gefühl der geistigen Verbundenheit im Geiste von Herbert Giersch gewachsen und geblieben.

Herbert Giersch starb am 22. Juli 2010 im Alter von 89 Jahren in Saarbrücken.

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Kommende Veranstaltungen

5. Juni 2013

Die Zukunft des Euro

Öffentliche Podiumsdiskussion an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

16. September 2013

Europäische Bankenunion

Konferenz in Zusammenarbeit mit dem Verein für Socialpolitik, der Stiftung Geld und Währung und der Deutschen Bundesbank

Vergangene Veranstaltungen

18. März 2013

Europa am Scheideweg

15. wirtschaftspolitisches Symposium, Frankfurt

Programm

12./13. März 2012

Modell Deutschland

Interdisziplinäre Tagung in Berlin in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Deutschlandforschung (GfD) sowie der Deutschen Gesellschaft e. V.

20. Oktober 2011

Krisen ohne Ende

14. wirtschaftspolitisches Symposium, Frankfurt

Programm